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Wenn es blitzt in Koblenz ... | ||
... dann muß es kein Gewitter sein. Es ist wahrscheinlicher, dass man Bekanntschaft macht mit der örtlichen Geschwindigkeitsüberwachung - sei es nun durch durch die zwei städtischen mobilen Blitzwagen auf innerstädtischen Straßen, oder die Blitzgeräte der Polizei, die für die Bundesstraßen zuständig ist.
Eine beliebte Stelle der Polizei, um Radarfallen aufzustellen: die B327 von der Südbrücke kommend in Richtung Waldesch, auf der Höhe der Karthause. Hier ist Tempo 80 vorgeschrieben, außerdem eine Fahrbahnverengung.
Während früher nur die Polizei hierfür zuständig war, übernehmen die Kommunen seit einigen Jahren ebenfalls die Tätigkeiten auf innerstädtischen Straßen, denn solche eine "einnahmenverbessernde Maßnahme" ist für den städtischen Haushalt durchaus lukrativ - die Kosten hat man in relativ kurzer Frist schon wieder eingenommen. Wenigstens informiert das Ordnungsamt Koblenz in Rhein-Zeitung und Internet in groben Zügen über die täglich wechselnden Einsatzgebiete und die "Preisliste". Ebenso ist es mit der Überwachung des "ruhenden Verkehrs", d.h. die Jagd auf Parksünder. Früher war es ebenfalls eine Aufgabe der Polizei (man denke an die "Politessen"), und jetzt liegt sie im Zuständigkeitsbereich des Ordnungsamtes ("Hilfspolizisten") - und somit fallen die Einnahmen ebenfalls an die Stadtkasse. Ich möchte hier nicht die Geschwindigkeitsüberwachung generell verteufeln - oft genug muß unbedingt etwas gegen Raserei getan werden! Doch wenn man mal einige Blitzaktionen der letzten Jahre Revue passieren läßt, so wird man doch etwas nachdenklicher... Jahrelang krachte es z.B. häufig auf der Europabrücke (ex-"Neue Moselbrücke") in Fahrtrichtung Innenstadt. Doch warum? Hier gibt es 4 Fahrspuren; zwei führen durch die Stadt, die beiden rechten in den Saarplatzkreisel bzw. auf die Schlachthofstraße. Und genau auf diesen beiden Spuren gab es die Unfälle, weil sich Rückstau bildete (und immer noch vorhanden ist...). Man gab der oft genug vorhandenen überhöhten Geschwindigkeit der Fahrer auf den beiden linken Spuren die Schuld, und entschied sich, eine große Überwachungsanlage für alle 4 Spuren (Höchstgeschwindigkeit 70km) zu installieren. Mittlerweile hat sich die Situation eingependelt: ortskundige Fahrzeuge fahren bis dicht vor die Kameras, bremsen ab auf knapp 70km/h, passieren die Kameras und weiter geht’s... Meist werden nur die ortsfremden Fahrzeuge geblitzt. Auf den beiden rechten Fahrspuren jedoch kracht es trotzdem oft genug - also kann nicht nur die "Raserei" Schuld sein! Nein, es liegt an der Verkehrsführung... aus dem Saarplatzkreisel bildet sich schnell ein Rückstau, sodaß manche Fahrzeuge aus dieser Warteschlange ausscheren und in die beiden linken Spuren wechseln wollen. Und dabei kracht es dann meist -weil diese nicht den nachfolgenden Verkehr beachtet haben. Und seit kurzem wird sogar ca. 200m hinter diesen Kameras erneut geblitzt... "Vom Osten lernen heißt siegen lernen" - an diesen Spruch muß man sich erinnern, wenn man auf Höhe des Überfliegers am Saarplatzkreisel die neue Blitzanlage sieht. Hier wird das in Ostdeutschland erfolgreiche Prinzip der doppelten Radarfalle angewandt (häufig auf Autobahnbaustellen zu sehen): wer die erste ohne Blitz passiert hat, kann ja evtl. noch an der zweiten erwischt werden. Und damit man effektiv abkassieren kann, wurde diese auch noch schwenkbar errichtet. Man sieht, statt vernünftig eine Verkehrsführung zu planen, stellt man Kameras auf... Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste aufgestellt wird - es bringt ja Geld in den städtischen Haushalt. Klar, wenn man durch verschiedene Maßnahmen (man denke nur an die Sperrung der Clemensstraße ab 25. July 2003, nähere Infos hier) die Einzelhändler und ihre Kundschaft aus Koblenz auf die "Grüne Wiese" vertreibt (und somit steuerliche Ausfälle im Stadtsäckel hat), muß man eben die autofahrende Kundschaft dann bei der Rückkehr nach Koblenz zur Kasse bitten. Und dann ist man im Ordungsamt so eifrig, einen Verkehrssünder, der gerade mal sechs km/h zu schnell war, von einem Kamerateam von Pro Sieben an den Pranger stellen zu lassen. Angeblich wußte man im Ordnungsamt nicht, was Pro Sieben genau vor hatte. Doch lesen Sie selbst, was die Rhein-Zeitung am 3.Januar 2005 berichtete:
Man rechne nur einmal diese Halbjahreszahl auf das gesamte Jahr hoch und multipliziere dies mit einem durchschnittlichen Bußgeldbetrag aus der Koblenzer Bußgeldliste. Da kommt ein schöner Betrag für die Stadtkasse zusammen... Ob die im obigen Rhein-Zeitungsartikel erwähnten ortsfremden Fahrer(innen) dann noch gewillt sind, im "Einkaufsparadies" Koblenz ein paar Euros auszugeben? Wer sich also einmal genauer informieren möchte, wo man schöne Bilder von sich am Steuer seines Fahrzeuges bekommen kann, oder einfach nur seinen Betrag zur Sanierung der Stadtkasse leisten kann, der schaue mal auf Deutschlands wohl bekannteste Info-Page über Radarfallen. Hier gibt es mittlerweile auch einige Bilder von Standorten in Koblenz.
50 000 Blitze und 111 000 Knöllchen Nach nur neun Monaten: Unglaubliche Zahlen und Rekorde aus dem Koblenzer Ordnungsamt - 2,43 Millionen Euro Strafgelder Unglaubliche Zahlen und "Rekorde": In den vergangenen neun Monaten hat es in Koblenz 50 603 Mal "geblitzt" (Radar) - und 111 734 "Knöllchen" (ruhender Verkehr) wurden verteilt. Strafgelder: 2,43 Millionen Euro (!). 283 Führerscheine wurden eingezogen. Erfreulich dagegen: Die Zahl der Verkehrsunfälle ging drastisch zurück. KOBLENZ. "In der Rhein-Mosel-Stadt wird nach wie vor zu schnell gefahren." Reiner Klug, Leiter des städtischen Ordnungsamtes, sagt es im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Beleg lässt er beeindruckende Zahlen sprechen. Dabei betont er, dass die Radaranlagen nicht bei 30, 50 oder 70 Stundenkilometern "blitzen", sondern immer erst bei neun km/h mehr - also bei 39, 59 und 79. Als vermutete Gründe nennt Klug Unaufmerksamkeit, Nicht-Wissen von "Blitz-Anlagen", generell zu schnelles Fahren. Nein, Mitleid mit den "Rasern" kennt er nicht. "Wer zu schnell fährt, der gefährdet unsere Bevölkerung", sagt der Ordnungsamt-Chef, der auf sinkende Unfallzahlen hinweisen kann: "Bekanntlich war die Europa-Brücke der Unfallschwerpunkt Nr. 1 in der Stadt - mit durchschnittlich 115 bis 151 registrierten Zusammenstößen bzw. Auffahrunfällen. Bisher hat es hier 61 Mal gekracht. Unsere Hochrechnung geht von 82 aus - trotz gestiegenem Kfz- Bestand." Diesen Rückgang führt Klug auf die permanenten Geschwindigkeitskontrollen zurück. Haben inzwischen wenigstens die Koblenzer Autofahrer die Standorte "Saarplatz- Überflieger" und "Europabrücke" als Radarstandorte begriffen? "Ja. Denn ihre Verstöße gehen etwas zurück, dagegen sind die Verkehrssünder aus den umliegenden Landkreisen sowie aus weiteren Gegenden mehr geworden." Einzelhandel und Wirtschaft möchten an den Einfallstraßen Hinweisschilder aufgestellt sehen, die auf die Radaranlagen hinweisen. Was halten Sie davon? Klug: "Das ist eine politische Entscheidung." In Koblenz wird der ruhende Verkehr von 30 Kräften und der fließende von vier Ordnungshütern kontrolliert. Hier ein kleiner Überblick: Die stationäre Anlage auf der Europabrücke und die beiden mobilen Anlagen liegen zurzeit "Kopf an Kopf" mit 17 490 zu 17 312 Geschwindigkeitsübertretungen. Wer glaubt, die meisten Verstöße würden nachts begangen, der täuscht sich: Mehr als 80 Prozent der "Sünden" passieren zwischen 6 und 19 Uhr. (Gerd Michiels, Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 23.10.2003, Seite 9) | ||